Das visuelle Zeitalter– Sind die Bilder wichtiger als Worte?

Instagram, Pinterest, Facebook, Smartphones, die alle Kameras haben und ständig online sind: Wir leben in einem Zeitalter, in dem wir überall optischen Reizen ausgesetzt sind. Was zieht Blicke mehr an? Bilder oder Texte? Studien zeigen, dass unser Gehirn sechzigtausendmal schneller auf Bilder reagiert als auf Texte. Kein Wunder also, dass Seiten wie Buzzfeed fast jeden Artikel auf Bildern basieren.

Gerade der Fakt, dass viele Konsumenten nur mobile Endgeräte nutzen und gar keinen Desktop und häufig auch keinen Laptop mehr zu Hause haben und sowieso keine Zeitung abonniert haben, führt dazu, dass Redakteure darüber nachdenken müssen, wie sie ihren Content aufbereiten, damit möglichst viele Klicks erreicht werden und eben auch mobile Endgeräte ein ansprechendes Layout vorweisen, wenn eine Webpage besucht wird.

Geht es um Online Shopping sind informative Texte genauso wichtig, wie Bilder. Potentielle Käufer sind darauf angewiesen, genaue Infos über das gewünschte Produkt zu bekommen, denn anders als in einem gewöhnlichen Laden kann man ja online einen Gegenstand nicht erfühlen, sondern muss sich auf die Ausschreibung verlassen.

Warum, also sind wir von Bildern eher angesprochen als von blossen Texten?

Stellen wir uns vor, wir hätten vier Seiten Text vor, Schriftgrösse 12, in Absätze geordnet, aber kein einziges Bild. Welche Assoziationen weckt diese Vorstellung? Es könnte sich um einen Vertrag handeln, um einen wissenschaftlichen Aufsatz. Nicht besonders erfreuliche Texte und schon gar nicht solche, welche viele von uns in ihrer Freizeit gerne lesen möchten. In Englisch heisst dieses Phänomen «TLDR», too long, didn’t read – zu lange, hab’s nicht gelesen. Deswegen ist eine übersichtliche Gliederung und eine schöne Bebilderung wichtig, da sie die Lesbarkeit und das Lesevergnügen steigern.

Gefühle werden mithilfe von Bildern viel schneller vermittelt als nur mit Text, denn Bilder lösen automatisch Gefühle aus: Freude, Wut, Wärme, Ekel. All dies wird ganz einfach hervorgerufen durch verschiedene optische Reize. Und natürlich kann man diese Emotionen so nutzen, wie man sie als Autor braucht – gerade in der Werbung wird mit diesen Effekten gearbeitet, um Kaufimpulse zu setzen.

Wenn wir von Bildern sprechen, meinen wir eigentlich eben nicht nur Bilder, sondern auch Infografiken. Denn eine gute gestaltete Grafik liegt zwischen Text und Bild, engagiert damit den Leser und hilft, die Information zu verarbeiten, denn der an sich schwer verständliche Text wird durch die visuellen Reize deutlich leichter verdaulich.

Bilder verarbeiten wir schneller, weil unsere Gehirne dafür gebaut wurden. Unseren Vorfahren half die Gabe, visuelle Reize innerhalb von Millisekunden zu verarbeiten dabei, Beute zu erkennen und zuzuschlagen und bei Gefahren rechtzeitig reagieren zu können. Und dieses primitive, steinzeitliche Verhalten nutzen Werber geschickt aus und tricksen uns mit schönen Bildern aus. Darum müsste man sich eigentlich fragen, warum wir erst jetzt im visuellen Zeitalter ankommen sind. Eigentlich sind wir ja schon immer so gebaut gewesen. Auch ohne Instagram und Facebook, auch ohne live Übertragung des Nachtessens mit Freunden. Der Mensch. Manchmal gar nicht so fortschrittlich…

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Wie macht man eine Fotoreportage?

Eine Fotoreportage? Das kling nach Dramatik, Journalismus auf höchstem Niveau, Abenteuer. Vielleicht gar nach Kriegsreportern, die mit einer Fotoserie über die Gräuel in Aleppo berichten. Aber auch Privatleute und Amateurfotografen können Fotoreportagen erstellen und so von ihrem Urlaub, dem Fussballspiel des Sohnes oder der Kleintierausstellung des örtlichen Vereins berichten.

Fotoreportagen sind Bildergeschichten, genauer eine Serie von Fotografien, die durch unterschiedliche Blickwinkel verschiedene Aspekte darstellen soll. Wie bei einem geschriebenen Text bestimmt der Autor, was man sieht. Umstritten ist, ob man als Fotograf seine Meinung und Sicht der Dinge in die Reportage einfliessen lassen soll oder ob es geboten ist, die Bilder möglichst objektiv darzustellen.

Welche Themen eignen sich für eine Reportage?

Um eine spannende Reportage zu kreieren, braucht man eine gewisse Vertrautheit mit dem Thema. Interessant wird sie dadurch, dass man Details sieht, die einem Laien mit blossem Auge vorenthalten blieben. Deswegen ist für Einsteiger besonders der Arbeitsplatz, der Sport oder das Vereinsleben ein gutes Sujet, um sich an die Technik der Reportage anzunähern. Ähnlich wie bei einem Autor, der auf der Suche nach einem Thema für das nächste Buch, den nächsten Artikel ist, ist es auch für den Fotoreporter von Vorteil, mit Freunden über seine Pläne zu sprechen und zu schauen, wie Unbeteiligte auf das jeweilige Thema reagieren, auch lohnt es sich, ein paar Probefotos zu schiessen und diese Freunden vorzulegen.

Der Aufbau

Wichtig ist, dass man einen guten Aufmacher hat, der Lust auf mehr schafft. Die verschiedenen Darsteller, seien dies Orte, Menschen oder Maschinen müssen eingeführt werden. Die Hauptsache ist die Aktion, die man mit der Reportage darstellen möchte: Veränderungen, Bewegungen oder Emotionen sind die wichtigsten Züge eines solchen Fotoberichts.

Für die Verortung ist es wichtig, entweder berühmte Gebäude, Berge, Seen oder auch Schriftzüge einzubauen. Es sei denn, der Fotograf wolle bewusst darauf verzichten, diese Information preiszugeben.

Der Vorteil einer Fotoreportage gegenüber eines normalen Texts ist, dass viele Menschen von Bildern stärker angesprochen werden als von Worten. Entsprechen lässt sich mit einer Bildreportage stark provozieren.

Allerdings gilt es auch zu beachten, dass sehr viele Themen so nuanciert sind, dass Fotos alleine nicht ausreichen und ein Begleittext her muss, der aufzeigt, was der Autor erzählen möchte.

Wichtig ist, dass man sich gut in ein Thema einarbeitet. Kaum eine Fotoreportage wird glücken, wenn man sie auf Schnappschüssen basiert, die man am Feierabend geschossen hat. Man muss sich in ein Thema einarbeiten oder einlesen, man muss mit den Feinheiten vertraut sein, sich auskennen. Einzig eine vertraute Person versteht, welche Bewegungen oder Emotionen eine bestimmte Tätigkeit ausmachen und spannend sind, eine Entwicklung aufzuzeigen.

Wieviele Bilder?

Nachdem man sich lange mit einem Thema auseinandergesetzt hat, die verschiedenden Aspekte aufgenommen hat, geht es an die Auswahl der Bilder und ans Festlegen des Umfangs der Reportage. Klassische Bildstrecken in Magazinen umfassen etwa zwölf Bilder. Komplexere Themen können aber auch gut mit zwanzig oder gar 25 Bildern dargestellt werden.

Reportagefotografie ist die Darstellung des echten Lebens, nicht das technisch perfekte Bild macht die Reihe stimmig, sondern die Emotionen, die durch die Aneinanderreihung vieler Fotos kreiert werden.

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Wie kann man von Fotografie leben?

Unsere mobilen Telefone werden immer mehr und mehr zu Taschencomputern. Bereits mein erstes Smartphone hat ein Vielfaches der Rechenleistung meines ersten Desktops und die Kamera am Iphone 4 hat meine digitale Kamera von anno 2006 bei weitem überflügelt. Ganz schön frustrierend.

Seit einigen Jahren werden auch professioneller Fotokameras massiv erschwinglicher: Lagen sie vor einigen Jahren noch bei mindestens tausend Euros, so kann man Modelle für Einsteiger heutzutage bereits für einige hundert Euro im Sonderangebot bekommen.

Diese massiven Verbilligungen hat zu zwei Entwicklungen geführt: Zum einen erhalten mehr Leute Zugang zu einem wunderbaren Hobby, das die Beobachtungsgabe fördert, die Kreativität und die Weltanschauung an sich verändert.

Zum andern erleben wir gerade einen Boom – Nie gab es so viele Fotografen wie heute. Das Equipment wird professioneller, viele Leute schenken sich zum Geburtstag oder bei sonstigen freudigen Ereignissen ein Fotoshooting, Bewerbungen kommen nicht mehr ohne professionelles Foto aus. Aber reicht das zum Leben? Soll man als talentierter Amateur den Schritt wagen?

Dort, wo ich aufwuchs, lebte einmal eine Mittdreissigerin, zum Arbeiten zu krank, zum Rumsitzen zu munter. Die Wohnung war gross, Kinder gab es keine und auch keine Haustiere. So sass sie also da und beschloss eines Tages, sie werde Fotografin. Kurse wurden gebucht, Werbematerial gedruckt. So prangte dann eines Tages ein Schild an der Haustür: «XY Fotografie». Leider blieben die erhofften Kunden aber aus und nachdem sie viele Jahre zwar Fotografin war, jedoch ohne Kundschaft, montierte sie die Tafel wieder ab.

Was ich damit sagen will, ist, dass es sehr schwer ist auf einem Markt, der derart hart umkämpft ist, zu überleben. Die Gründe, warum es so hart ist, mit Fotografie zu überleben, sind vielfältig: Zum einen ist man mit seiner Zeit sehr limitiert. Die meisten Hochzeiten oder Geburtstage finden an einem Wochenende statt. Das bedeutet, dass man maximal zwei Events machen kann, denn man ist ja für das gesamte Fest angestellt. Auch sind Hochzeiten mehrheitlich im Sommerhalbjahr geplant, was zusätzliche Zeitlimiten kreiert.

Startet man aber trotzdem durch und möchte sich in der professionellen Fotografie probieren, hier einige Tipps:

Man soll nicht gratis arbeiten! Egal, ob es der beste Freund ist, der Fussballtrainer der Jugend oder ein Arbeitskollege: Man muss einen Preis finden, der dem Können angepasst ist und für beide Seiten stimmt.

Man muss vorbereitet sein: Der erste Auftrag gleich eine Hochzeit? Einen Coach mitnehmen, jemanden, der erfahren ist mit Hochzeitsfotografie. Man hat wohl kaum sehr professionelle Ausrüstung, also sollte man diese anmieten. Unbedingt mit Braut und Bräutigam kommunizieren, denn in deren Album werden die Aufnahmen hoffentlich landen. Sehr wichtig sind Vorbereitungstreffen, um zu wissen, was erwartet wird.

Landschaftsfotografie könnte eine gute Möglichkeit sein, mindestens dafür, bekannter zu werden. Wer heutzutage auf Facebook oder Instagram unterwegs ist, merkt schnell, wie wichtig Bilder sind und wie unmittelbar sie beurteilt werden. Durch soziale Medien kann man sich eine solide Gefolgschaft sichern, welche später nützlich sein kann.

Für Amateurfotografen, die ihr Hobby ein Stück weitertreiben möchten, lässt sich also sagen:

Seid aktiv! Denn je grösser euer Bekanntheitsgrad ist, desto wahrscheinlicher ist es, dass euch jemand bucht.

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