Wie kann man von Fotografie leben?

Unsere mobilen Telefone werden immer mehr und mehr zu Taschencomputern. Bereits mein erstes Smartphone hat ein Vielfaches der Rechenleistung meines ersten Desktops und die Kamera am Iphone 4 hat meine digitale Kamera von anno 2006 bei weitem überflügelt. Ganz schön frustrierend.

Seit einigen Jahren werden auch professioneller Fotokameras massiv erschwinglicher: Lagen sie vor einigen Jahren noch bei mindestens tausend Euros, so kann man Modelle für Einsteiger heutzutage bereits für einige hundert Euro im Sonderangebot bekommen.

Diese massiven Verbilligungen hat zu zwei Entwicklungen geführt: Zum einen erhalten mehr Leute Zugang zu einem wunderbaren Hobby, das die Beobachtungsgabe fördert, die Kreativität und die Weltanschauung an sich verändert.

Zum andern erleben wir gerade einen Boom – Nie gab es so viele Fotografen wie heute. Das Equipment wird professioneller, viele Leute schenken sich zum Geburtstag oder bei sonstigen freudigen Ereignissen ein Fotoshooting, Bewerbungen kommen nicht mehr ohne professionelles Foto aus. Aber reicht das zum Leben? Soll man als talentierter Amateur den Schritt wagen?

Dort, wo ich aufwuchs, lebte einmal eine Mittdreissigerin, zum Arbeiten zu krank, zum Rumsitzen zu munter. Die Wohnung war gross, Kinder gab es keine und auch keine Haustiere. So sass sie also da und beschloss eines Tages, sie werde Fotografin. Kurse wurden gebucht, Werbematerial gedruckt. So prangte dann eines Tages ein Schild an der Haustür: «XY Fotografie». Leider blieben die erhofften Kunden aber aus und nachdem sie viele Jahre zwar Fotografin war, jedoch ohne Kundschaft, montierte sie die Tafel wieder ab.

Was ich damit sagen will, ist, dass es sehr schwer ist auf einem Markt, der derart hart umkämpft ist, zu überleben. Die Gründe, warum es so hart ist, mit Fotografie zu überleben, sind vielfältig: Zum einen ist man mit seiner Zeit sehr limitiert. Die meisten Hochzeiten oder Geburtstage finden an einem Wochenende statt. Das bedeutet, dass man maximal zwei Events machen kann, denn man ist ja für das gesamte Fest angestellt. Auch sind Hochzeiten mehrheitlich im Sommerhalbjahr geplant, was zusätzliche Zeitlimiten kreiert.

Startet man aber trotzdem durch und möchte sich in der professionellen Fotografie probieren, hier einige Tipps:

Man soll nicht gratis arbeiten! Egal, ob es der beste Freund ist, der Fussballtrainer der Jugend oder ein Arbeitskollege: Man muss einen Preis finden, der dem Können angepasst ist und für beide Seiten stimmt.

Man muss vorbereitet sein: Der erste Auftrag gleich eine Hochzeit? Einen Coach mitnehmen, jemanden, der erfahren ist mit Hochzeitsfotografie. Man hat wohl kaum sehr professionelle Ausrüstung, also sollte man diese anmieten. Unbedingt mit Braut und Bräutigam kommunizieren, denn in deren Album werden die Aufnahmen hoffentlich landen. Sehr wichtig sind Vorbereitungstreffen, um zu wissen, was erwartet wird.

Landschaftsfotografie könnte eine gute Möglichkeit sein, mindestens dafür, bekannter zu werden. Wer heutzutage auf Facebook oder Instagram unterwegs ist, merkt schnell, wie wichtig Bilder sind und wie unmittelbar sie beurteilt werden. Durch soziale Medien kann man sich eine solide Gefolgschaft sichern, welche später nützlich sein kann.

Für Amateurfotografen, die ihr Hobby ein Stück weitertreiben möchten, lässt sich also sagen:

Seid aktiv! Denn je grösser euer Bekanntheitsgrad ist, desto wahrscheinlicher ist es, dass euch jemand bucht.

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